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Brautentführung
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Die Brautentführung während der Hochzeitsfeier ist Sache der Trauzeugen. Der Brauch, der auch "Brautverziehen" heißt, ist in Deutschland sehr populär.

Ablauf

In einem Moment, in dem der Bräutigam nicht "aufpasst" wird die Braut wird von einem Trauzeugen oder Freunden des Paares in ein naheliegendes Lokal oder einfach an einen nahegelegenen Ort gebracht und so aus der Hochzeitsgesellschaft herausgerissen. Der Bräutigam muss sie suchen, sobald er die Entführung bemerkt. Einige Vertraute (eventuell auch jemand, der das Ziel der Entführer kennt) begleiten ihn.

In manchen Fällen werden bei der Brautentführung sämtliche Kneipen und Gaststätten der Umgebung aufgesucht. In jeder dieser Lokalitäten nehmen die Entführer und die Braut ein Getränk zu sich, dass sie allerdings nicht bezahlen. Sie hinterlassen lediglich ihre Anschrift für den Fall, dass der Wirt sie nicht kennt und der Bräutigam dort nie auftaucht. Der Bräutigam muss, sobald er bemerkt hat, dass seine Frau entführt wurde, die Verfolgung aufnehmen und die Entführer suchen. Hat er sie gefunden oder eines der Lokale, in dem sie waren, zahlt er die entstandene Zeche. So muss er die Braut aus den Händen der Entführer "zurück gewinnen". Unter Umständen muss er auch zusichern sich weiteren Aufgaben zu stellen, wie z.B. drei Wünsche der Braut erfüllen (vier Wochen Geschirr -Abwaschen oder Staubsaugen usw.).

Wie das "Brautverziehen" abläuft, hängt stark von den regionalen Gepflogenheiten und den Trauzeugen ab. Ob es überhaupt stattfindet vom Willen des Brautpaares. Besonders "gewissenhafte" Entführer können auch im Vornhinein, z. B. in den Gaststätten, die sie aufsuchen wollen einen dekorierten Tisch reservieren, dort kleine Geschenke für die Braut hinterlegen, einen Programmpunkt organisieren (Sänger, Überraschugnsgast oder beispielsweise das Begleichen der Rechnungen schon abgeklärt haben, damit der Wirt beim etwaigen Ausbleiben des Bräutigams nicht beunruhigt ist. Für den Bräutigam können auch Hinweise verteilt sein, die ihm den Weg zur Braut leichter finden lassen.

Eine Variante, die mehr Gäste einbezieht als die Kneipentour, ist, dass die Braut nur in einen anderen Raum des Hochzeitslokals "verzogen" wird (z.B. in die Bar, den Partykeller). Dort gibt es Musik zum Mitsingen sowie Wein und Schnaps, der im Verlauf von einigen Spielen, Schunkel- und Trinkliedern reichlich verabreicht wird (beobachtet in Oberbayern 2008) . Aus der Hochzeitsgesellschaft kann jeder an dieser Gaudi teilnehmen, der die "Entführung" mitbekommen hat. Nach einiger Zeit "findet" der Bräutigam die Gesellschaft und alle kehren zur gemeinsamen Feier zurück.

Die Gefahr der Brautentführung ist, dass sie in ein Besäufnis ausartet oder sehr lange dauert. Damit wird die Stimmung der Hochzeit getrübt, denn es gibt immer Gäste, die nicht an der Entführung beteiligt sind.

Hintergrund-Infos

Das Entführen um 1900

Die Schriftstellerin Lena Christ (1881-1920), die das Landleben sehr genau schilderte, berichtete in dem Roman "Matthias Bichler" über eine ländliche Hochzeit in Oberbayern. Dort heißt es: "das Recht des Entführens und zu guter Letzt die Gnad, die Vermählten heimzugeleiten und der Braut vor dem Schlafengehen die Strümpf auszuziehen" hatte der "vorderste Jungherr". Das war ein Ehrenposten. Der Jungherr wurde von den Gästen aus der Hochzeitsgesellschaft "erwählt". Er durfte die ganze Hochzeit lang an der rechten Seite der Braut sitzen und reichte ihr auch das Essen. (nach WEBER-KELLERMANN)

Eine Aufzeichnung über die Hochzeitsbräuche im schwäbischen Biburg aus derselben Zeit besagt Foglendes: "Nachmittg. wird die Braut 'gestohlen'. Ein Tänzer führt sie unbemerkt in die untere Stube der Wirtschaft, wo auf Kosten der unachtsamen 'Brautjungfern' Wein getrunken wird." (nach WILLI, S. 122)

Man kann also sagen, dass das Entführen vor allem ein Spaß für das Brautpaar und die jungen ledigen Gäste war, den sie unter sich ausmachten. Der Bräutigam wird damit spielerisch in seine neue Rolle eingeführt, nämlich auf seine Frau aufpassen zu müssen.

Siehe auch

Hochzeit in Schwaben

Literatur

  • Schmidt, Leopold: Hochzeitsbrauch im Wandel der Gegenwart. Wien 1976.
  • Weber-Kellermann, Ingeborg: Saure Wochen, frohe Feste. Volksbräuche im Wandel. München, Luzern 1985.
  •  Werner, Elyane: Bayerisches Hochzeitsbuch. Vom Anbandeln bis zur goldenen Ehr. München 1991.
  • Willi, Gerhard: Alltag und Brauch in Bayerisch-Schwaben. Augsburg 1999.


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