Kinderfest in MemmingenDurchstarten: Dieser Artikel ist informativ. Wir freuen uns über weitere Ergänzungen!
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Dieser Brauch ist am Donnerstag, 23. Juli 2009.
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Zoom mit MausradJedes Jahr findet in der Woche vor den Sommerferien das traditionelle Kinderfest in Memmingen statt. Die drei besten Schülerinnen und Schüler eines Schuljahres werden dabei geehrt und zu Königinnen und Königen gekürt. Anschließend ziehen sie in einem Umzug durch die Stadt.
Ablauf
Grundgedanke des Kinderfestes ist die "Belobigung" von Schülerinnen und Schülern. Es werden beim Memminger Kinderfest jedoch nicht mehr wie früher nur die einzelnen besten Schülerinnen und Schüler geehrt, sondern alle beteiligten Kinder der Memminger Grund- und Hauptschulen bekommen zum erfolgreichen Schuljahresende Geschenke. Das Fest beginnt mit einem gemeinsamen Gottesdienst. Anschließend versammelt man sich dann wie früher auf dem Marktplatz, um die Kinderfestlieder zu singen und zu tanzen. Nachmittags folgt dann ein Umzug der Kinder, der auf der Spielwiese im Memminger Stadiongelände endet. Jedes Jahr wird bei diesem Umzug das so genannte "Stängele" mitgetragen. Dieses hat sich aus geschmückten Ruten und den Königs-Insignien Zepter und Krone entwickelt und gilt seit den ersten Kinderfesten als eigentliches Kinderfestsymbol. Heute ist das "Stängele" mit Blumen geschmückt. Vor dem Zweiten Weltkrieg war es noch mit Geschenken geschmückt.
Programmpunkte heute
1. Das Fest beginnt mit Gottesdiensten für die beteiligten Schulen.
2. Anschließend finden Reigentänze von Schülern der Grundschulen sowie ein Zunfttanz (Küfer-, Schmied-, Weber- oder Schneidertanz) von Schülern der Bismarckschule auf dem Marktplatz statt. Danach singen alle Kinder zusammen das Morgenlied, das schwäbische Lied, ein Wanderlied, ein modernes Lied und das Kinderfestlied in Begleitung der Blaskapelle. Zum Schluss hält der Oberbürgermeister eine Rede für die Kinder. Anschließend bekommen die Schüler dann in ihren Schulen eine Brotzeit - traditionell sind das Breze und "Schübling" (eine Wurst aus dem Allgäu).
3. Am Nachmittag findet schließlich der Umzug statt, wobei an der Spitze eine Historiengruppe steht, die den ursprünglichen Brauch des "Königmachens" zeigt. Am Ende befindet sich der so genannte Mauwagen mit dem Oberbürgermeister und dem Vorsitzendem des Kinderfestausschusses. Begleitet wird das Ganze von Musikkapellen. Beim Umzug sind alle mitwirkenden Kinder verkleidet. Jede Schule bestimmt dabei für die Schüler ein eigenes Motto.
4. Nachdem der Umzug das Memminger Stadiongelände erreicht hat, werden dort verschiedene Spiele gespielt, die meistens von Eltern betreut werden.
Kinderfestlieder und Weckruf
1950 schrieb der damalige Stadtrat Ernst-Wilhelm Hermann dann erstmals ein Kinderfestlied, das jährlich wieder gesungen wird. Ein zweites Lied - "Reigen auf dem grünen Rasen" - kam 1969 dazu, bis das Ganze schließlich 1975 durch den "Weckruf" ergänzt wurde.
Reigen (1968):
"Reigen auf dem grünen Rasen,
Liederklang und Übermut,
Buben putzet eure Nasen,
Mädchen steckt die Kränze gut!
Oberbürgermeister-Kette
leuchtet stolz auf dem Balkon,
Männlein, Weiblein um die Wette,
tummeln sich zum Stadion. ..."
Rings im Kranze (1950):
" Rings im Kranze grüner Matten,
Wälder, Felder, Bach und Ried
Liegst Du vor den Allgäu-Bergen:
Memmingen! Dir gilt mein Lied. ..."
Weckruf (1975):
"Heute nacht, heute nacht, da bin ich aufgewacht, aufgewacht, aufgewacht,
hab geträumt mir hätt' ein Vogel eine Botschaft bracht, eine Botschaft bracht.
/: Ich sinne hin, ich sinne her, was das für eine Botschaft wär'!:/ ..."
Hintergrund-Infos
Geschichte des Festes
Wann es wirklich das erste Kinderfest in Memmingen gab, ist nicht bekannt. Die früheste Erwähnung findet es in einem Ratsprotokoll von 1571.
Ein Vergleich mit anderen Kinderfesten lässt darauf schließen, dass der Anlass zu solch einem Fest früher die Auszeichnung der besten Schülerinnen und Schüler nach dem Frühlingsexamen sowie eine Frühlingswanderung der Schulklassen war.
Eine genaue Beschreibung des Ablaufs eines Kinderfestes geht erstmals aus der "Ordnung der Königin inn denn Meidlin Schuolen" vom 2. Juni 1587 hervor. Das Fest begann damals damit, dass nach dem Frühlingsexamen am Donnerstag vor Pfingsten die besten Schülerinnen am Morgen und Mittag gemeinsam den Gottesdienst besuchten. Anschließend aßen dann alle zusammen in der Wohnung des Schulmeisters zu Mittag. Zu dieser Zeit war es üblich, dass die Schulkinder in der Wohnung des Schulmeisters oder in Zunfthäusern unterrichtet wurden. Nach dem genannten Essen wurden die besten Schülerinnen mit Geschenken belohnt und zu "Königinnen" gekürt. Sie zogen sich feine Kleider an. Nachmittags traf man sich dann zum Singen und zum Reigentanz auf dem Marktplatz, wobei im Anschluss diesmal die Schulmeister mit ihren Frauen sowie die Königführer von den Eltern der besten Schülerinnen zum Essen eingeladen wurden. Einige Tage später traf man sich dann nochmals, bei schönem Wetter, zu einem gemeinsamen Spaziergang.
1789 wurde aufgrund vieler Missbräuche auf die Krönung der besten Schülerinnen und Schüler verzichtet. Nach der Mediatisierung - 1804 verloren die Reichsstädte, zu denen Memmingen gehörte, ihre Reichunmittelbarkeit - fand das Kinderfest schließlich wieder in seiner ursprünglichen Form statt. Auf das gemeinsame Singen und Tanzen folgte ein Umzug mit Musik, worauf im Anschluss unter Aufsicht der Lehrer im Reichshain verschiedene Spiele gespielt wurden.
Veränderungen im 20. Jahrhundert
In den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts kam es zu einer zunehmenden Politisierung des Festes. Es wurde nämlich mit dem Verfassungstag und der Vorzeigung der Konstitutionsmedaille zum "Konstitutions- und Kinderfest" zusammengefasst. Seit 1913 gibt es zusätzlich den Umzug mit Originalkostümen aus dem städtischen Museum.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 kam es abermals zu einer Politisierung des Festes. Aufstellung und Reihenfolge der Mitwirkenden beim Umzug wurden genau festgelegt und die musikalische Gestaltung wurde von der SA- bzw. HJ-Kapelle übernommen. Im Programmablauf von 1939 heißt es beispielsweise:
"Marsch zum Marktplatz, dort Aufstellung in Säulen mit Front zur Sparkasse. Hierbei beachten:
Für jede der 11 Säulen ist ein Strich senkrecht zur Sparkasse gezogen. ....
Geordnetes Einmarschieren und exaktes Einbiegen auf dem Marktplatz ist erforderlich.
Die Kinder im Zuge nie springen lassen!
Während der kurzen Ansprache muß unbedingte Ruhe herrschen. '..."
Im 2. Weltkrieg musste das Fest ausfallen, bis es 1946 dann wieder stattfand. Regelmäßigging es aber erst ab 1949 wieder von statten. Im August 1949 richtete die amerikanische Besatzungsmacht zudem ein "All Nations Kinderfest" aus. Vermutlich war die Idee, die dahinter steckte, die Zusammenführung und Integration von Kindern unterschiedlicher Herkunft und Religion. Bei den Kindern war diese Ausführung des Festes aber vor allem wegen der besonderen Geschenke, wie Schokolade oder Bananen, beliebt, denn beim üblichen Kinderfest handelte es sich bei den Geschenken um Schulartikel, Kochlöffel, Zahnbürsten oder Hosenträger.
1974 wurde das Kinderfest dann umfassend reformiert und bereits seit 1955 findet es jedes Jahr in der Woche vor den Sommerferien und zwei Tage vor dem ebenfalls traditionellen Memminger Fischertag statt.
Siehe auch
Weblinks
http://www.all-in.de/_/tools/diaview.html?prev=true&_CMTREE=3169&_CMELEM=0 (Bilder zum Kinderfest)
Literatur
- Habereder, Werner/Engelhard, Christoph: Das Memminger Kinderfest. Geschichte und Tradition. Memmingen.
- Stadtarchiv Memmingen
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