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Die Kirchweih - je nach Dialekt auch Kerwa, Kärwa, Kirta oder Kirmes genannt - ist ein Dorf- und Familienfest, das einmal im Jahr von Donnerstag bis Montag ausgelassen gefeiert wird. Der Termin kann je nach Region und Dorf ein anderer sein. Auch die Kichweih-Bräuche unterscheiden sich von Dorf zu Dorf.
Ablauf
In den evangelischen und katholischen Gebieten Frankens hat jedes kleine Dorf seine eigene "Kärwa". Sie ist der Höhepunkt im Dorfjahr und wird als Dorffest und auch Familientreffen gefeiert. Das ganze Dorf nimmt teil. Das eigentliche Fest kann von Freitagabend bis zum Kirchweihmontag dauern. Bräuche, wie das Baumaufstellen oder der Betzentanz, sind dabei anzutreffen. Die Traditionen sind aber, je nach der Größe des Dorfes/der Stadt oder der Region in der es/sie liegt, sehr unterschiedlich. Beispiele solcher Kirchweihen sind die Michaelis-Kirchweih Fürth und die Kärwa in Bürglein.
Die "Kirchweih" ist nicht in allen Regionen Bayerns ein gemeinsam gefeiertes, öffentliches Fest. In Oberbayern wird größtenteils die sogenannte "Allerweltskirchweih" gefeiert (siehe unten).
Hintergrund-Infos
Herkunft des Festes
Es gibt verschiedene Theorien zur Herkunft der "Kirchweih": Die Bezeichnung legt nahe, dass die "Kirchweih" auf den Weihetag der Ortskirche zurückzugeht. Manche Kirchweihen wurden am Jahrestag des tatsächlichen Weihetages gefeiert, andere am Namenstag des Schutzheiligen der Kirche.
- Da auch Gemeinden und Dörfer Kärwa feiern, die selbst keine Kirche haben, kann man darauf schließen, dass es andere Erklärungen zur Entstehung der Kärwa geben muss. Vielleicht hilft das Wort "Kerwa" weiter. Es könnte von dem alten Wort "keren" abgeleitet sein, was soviel bedeutet wie "schreien, gröhlen" und auf ein lautstarkes, lustiges Fest hinweist. Hat das Wort "küren, kören" in der Bedeutung von "erwählen" mit "Kerwa" zu tun?
- Tatsächlich war die Kirchweih auch ein großes Familien- und Sippenfest, das schon Tage vorher vorbereitet wurde. Lag der Termin im Herbst, war die Ernte bereits eingebracht und die meisten Feldarbeiten waren beendet - Zeit zu Danken und zu Feiern. Das Kirchweihessen war entsprechend üppig. Es wurde aufgetischt, was die Küche hergab. Neben den Kirchweihgänsen und -enten gab es Knödel, Blaukraut, Spätzle usw. Besonders beliebt waren die "Kirchweihnudeln", die im heißen Fett herausgebacken wurden, oder auch "Schneeballen" und Kuchen.
Kirchweih in früherer Zeit
Die Obrigkeit und ihre örtlichen Vertreter spielten eine große Rolle bei der Eröffnung und beim Ablauf der Kirchweih. Zur Eröffnung der Kirchweih versammelten sich auf Geheiß der Obrigkeit die Jugend des Dorfes, der Schulmeister, ein Amtsknecht und weitere Offizielle im Wirthaus. Von dort wanderten sie zur Dorflinde (später der Kirchweihbaum), die auf dem Planplatz stand. Nach dem Umgehen der Linde wurde der "Kirchweihschutz" oder auch "Kirchweihfriede" der Herrschaft ausgesprochen. Dieser besagt, dass das Fest friedlich ablaufen solle und etwaige Übertretungen von der Herrschaft sofort und streng geahndet wurden. Außerdem behielt sich die Herrschaft mit diesem Schriftstück vor, zu entscheiden, wer seine Stände beim Kärwatreiben aufstellen durfte, und auch die Gewichte und Maße der Wirtsleute zu kontrollieren. Dann wurde drei Mal in die Luft geschossen und drei Mal auf die Obrigkeit angestoßen. Nun konnte der Plantanz um die Linde beginnen und das Fest war eröffnet. Es wurde getanzt, gegessen, getrunken und gesellig beisammen gesessen. Um 1800 wurde allerdings der "Kirchweihschutz" als "mittelalterliches Relikt" abgeschafft, da es immer wieder Streitigkeiten zwischen ortsansässigen begüterten Herrschaften gab.
Allerweltskirchweih
Früher hatten die Dörfer, katholisch oder evangelisch, jeweils einen eigenen Kirchweihtermin. Die Obrigkeit führte statt der Feiern zu unterschiedlichen Terminen die Allerweltskirchweih ein, einen Kirchweihtag für "Alle", um das Herumziehen des Gesindes an den Wochenenden - jedem Dorf wurde ja irgendwann gefeiert - zu vermeiden. Den dritten Sonntag im Oktober setzten sie als Termin für die "Allerweltskirta" ("Kirta" für "Kirchtag"). Seit der Aufklärung war dann das "Große Kirchweihfest" im Gegensatz zum Gedenken an den individuellen Weihetag der Pfarrkirche oder deren Patrozinium landesweit am gleichen Termin einheitlich angeordnet. In weiten Teilen Bayerns, zumal in den flächendeckend katholischen, wurde diese Anordnung auch befolgt, aber wohl nicht in allen (siehe oben).
Kirchweihfahne
Weithin sichtbares Zeichen des Festtages ist die rot-weiße Fahne, die am Kirchweihsonntag von den Kirchtürmen weht. Sie wird auch "Zachäus" oder "Zacherl" genannt. Diesen Namen hat sie daher, weil er auf das Tagesevangelium hinweist, nämlich die Geschichte des Zöllnern Zachäus, der auf einen Baum gestiegen war, um den vorübergehenden Jesus zu sehen (Lk 19, 1-10). Im Süden Bayerns galt früher der Spruch: "A richtiger Kirta dauert bis zum Irda (Dienstag), wann sie's duat schicka, aa bis zum Migga (Mittwoch)."
Literatur
- Schmidt, Gustav (Hg.): Oberfränkisches Brauchtum in alter und neuer Zeit. Bamberg 1994.
- Mümmler, Manfred: Brauchtum. Ausdruck fränkischer Lebensweise. Emskirchen 1985.
- Wagner, Karin: Kirchweih in Franken - Studien zu Terminen und deren Motivation. Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Dissertation 1971.
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