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Termin
Dieser Brauch ist am Sonntag, 6. Dezember 2009.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.
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Verbreitungsgebiet
Zoom mit MausradDas Klausentreiben ist ein in Oberstdorf und anderen Orten des Oberallgäus geübter Brauch, bei dem Burschen in der Regel am Vorabend des St. Nikolaus-Tages (6. Dezember) lärmend und verkleidet durch die Straßen ziehen.
Zum Ablauf
Die Akteure
Es sind nicht etwa böse Geister, die von den jungen Burschen am Abend des 6. Dezember, dem St. Nikolaus-Tag, in den Straßen von Oberstdorf gejagt werden. Die Verkleideten haben es mehr auf vorwitzige junge Mädchen und allzu neugierige Zuschauer abgesehen, die auch schon mal eine kräftige Abreibung mit Schnee oder mit der Rute riskieren.
Dass das Lärmen und Jagen im Rahmen bleibt, dafür sorgt in Oberstdorf der Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein Oberstdorf. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war das Klausentreiben dort nur alteingesessenen Oberstdorfern erlaubt. Inzwischen gibt es ausgesprochene Klausen-Vereine mit eigenen Regeln in Sonthofen (gegründet 1976), Börwang, Berghofen, Türkheim, Immenstadt. Ein Beispiel für die Regeln, lässt sich auf der unten bei den Weblinks angegebenen Seite des Klausenvereins Immenstadt nachlesen. Das Schaulaufen in Sonthofen war 2009 Thema eines kurzen Beitrags im BR-Fernsehen (siehe Weblinks).
Die Verkleidung
Typisch für die Verkleidung der Klausen sind die so genannten "Klöüsegrind" und "a Rüete", die sie in der Hand tragen. Auf den Fotos sieht man Mitwirkende aus dem Klausenverein Sonthofen. Sie tragen Verkleidungen aus Fell mit ebensolchen Masken und laut lärmende Schellen an ihren Gürteln.
Traditionelles Gebäck
Das traditionelle Gebäck zum Klausentag sind heute "Laible" und "Klausenmändle". Auch sie werden gerne mythologisch interpretiert als Sonnenrad und Naturgottheit, deren Kraft mit dem Essen übertragen werden soll. Die christliche Tradition, die mit diesen Gebäckstücken verbunden war, ist wohl heute vergessen. Mürbes Gebäck oder Lebkuchen in Form des Bischofs Nikolaus oder mit seinem aufgeklebten Bild waren noch um 1910 in vielen Orten übliche Geschenke zum Nikolaustag. Die Paten und Patinnen haben sie an ihre Schützlinge ausgeteilt. Aufschluss über die Verhältinisse in Schwaben gibt Gerhard Willi (siehe unten). Der Name des Gebäcks war "Klausen" und "Vogel", auch "Klausenrogel".
Hintergund-Infos
Verschiedene Deutungen
Schon oft wurde und noch immer wird dem Brauch eine germanische oder vorchristliche Geschichte und Bedeutung zugeschrieben, die sich freilich nicht belegen lässt. Sie ist konstruiert, eine Erfindung, und passt in den Rahmen der Suche nach einer "germanischen" Geschichte/Mythologie in Kreisen des Bildungsbürgertums des 19. und 20. Jahrhunderts. Auch in unserer Zeit sind diese Geschichten weit verbreitet. Stossen doch keltische Riten und Kultur gerade unter Jugendlichen auf großes Interesse - seien sie nun erfunden oder belegbar. Was wirklich war: Früher hieß es in katholischen Gegenden "der Klaus geht um mit viel Getöse". So berichtete es z.B. der Lehrer Dominikus Hertl im Landkreis Unterallgäu bei einer Umfrage nach allgemeiner "Sitte und Brauch" aus seinem Dorf Boos im Jahre 1910 (siehe Gerhard Willi, Alltag und Brauch). Das Klausentreiben gehört im Allgäu traditionell durchaus in den Rahmen des christlich geprägten Jahreslaufs.
Das Klausentreiben wird gelegentlich mit dem Perchtentreiben verglichen und beiden Bräuchen die gleiche Bedeutung unterstellt. Es heißt dann: Das Ziel des Klausentreibens bestehe darin, in den längsten Nächten des Winters die Wintergeister zu vertreiben. Der Glauben an diese stamme noch aus vorchristlicher Zeit. Als Klausen verkleidet, seien es meist ledige Burschen, die bei Einbruch der Dunkelheit mit Schellen und Ketten durch die Gassen der Dörfer gingen. Diese seien auch als Vorboten der Raunächte zu sehen (siehe Raunacht) und hätten die gleiche Aufgabe wie die in diesen Nächten lärmenden Perchten (siehe Perchtenlauf in Kirchseeon), nämlich böse "Nachtgeister", "Druden" und "Schatten" zu vertreiben. Viel naheliegender ist der Vergleich mit dem Buttnmandl-Lauf in Berchtesgaden der ebenfalls mit dem Nikolaustag zu tun hat.
Eine erfundene Ursprungsgeschichte führt das Klausentreiben auf einen keltischen Umzug zurück: Ein Druide habe junge Ehepaare zu sexueller Enthaltsamkeit während der Wintersonnenwende gemahnt, denn nach keltischem Glauben würden an diesen Tagen gezeugte Kinder krank und schwach. Hinter ihm sei ein wilder, vermummter Kauz hinterher getrottet, den man später Klaus nannte. Er symbolisiere, dass trotz Ermahnung gezeugte Kinder den Eltern durch Naturkräfte wieder genommen würden.
Eine andere Deutung geht von einem schrifttlichen Beleg aus und entwickelt viel Phantasie: Aus dem achten Jahrhundert sei ein Beichtkatalog mit der Frage überliefert: "Hast Du dergleichen gethan, wie Heiden thun, nämlich zu St. Nikolaus einen Hirschen gespielt?" Dazu sei bekannt, die keltischen Ureinwohner im Allgäu eine hirschköpfige Gottheit mit Geweih verehrten. Das gipfelt dann in der Vermutung der "Klaus" könnte auch ein Medizinmann in Hirschverkleidung gewesen sein.
Tätliche Angriffe im Schutz der Masken
Aus dem 18. Jahrhundert sind wilde Geschichten über das Klausentreiben überliefert. Demnach sollen Menschen, die sich in der Klausennacht ins Freie wagten, tätlich angegriffen oder gar getötet worden sein. Wenn es vielleicht auch nicht ganz so schlimm war, die Klausen trieben es doch so wild, das Mitte des 19. Jahrhunderts mancherorts der Brauch verboten wurde. Selbst heutzutage wagen sich ängstliche Menschen während des Klausentreibens nicht auf die Straße. Meist wird das Klausentreiben jedoch eher als ein amüsanter bzw. lustiger Kinderschreck gehandelt.
Literatur
- Günther Kapfhammer, Brauchtum in den Alpenländern, München 1977, S. 132-133
- Gerhard Willi, Alltag und Brauch in Bayerisch Schwaben, Augsburg 1999.
Siehe auch
Weblinks
- Videoclip zum Klausentreiben in Sonthofen von Brigitte Kornberger, gesendet am 7.12.2009:
http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/schwaben-und-altbayern-aktuell/klausentreiben-tradition-kornberger-ID1260185047142.xml
- http://www.gallery.klausenverein.de/displayimage.php?album=3&pos=24
- http://www.sonthofen.de/kultur/brauchtum/brauchtum3.php3
- http://www.brauchtumstage.com/klausen.html
- http://www.perchten.at/site07/
- http://www.klausenverein-immenstadt.de/menue-unten/faq.html
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