Maierle-Stellen in SchwabenAchtung: Diese Version des Artikels war noch nicht in der brauchwiki-Redaktion. Es gibt jedoch bereits eine ältere geprüfte Version.
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Zoom mit MausradBeim Maierle-Stellen handelt es sich um den Brauch, seiner Liebsten als Zeichen seiner Zuneigung in der Nacht zum 1. Mai eine bunt geschmückte Birke auf zu stellen.
Ablauf
Der erste Tag des Mais läutet traditionell den Sommeranfang ein und steht zudem für die Freude über den Frühling, der bereits Einzug gehalten hat. Der wohl bekannteste Brauch in Verbindung mit dem ersten Mai ist das Maibaum-Aufstellen in einer Gemeinde, wie zum Beispiel bei Maibaum_in_Anhausen beschrieben wird. Das „Maierle-Stellen“ ist auch ein Maibaum-Brauch. Vorwiegend wird er von der „jüngeren Generation“ in und um Schwaben gelebt. Es ist auch bekannt als „Mädchen-Maien-Stellen“.
Vorbereitung
Welche Mädchen dürfen sich denn nun am 01. Mai über ein solches „Maierle“ freuen?
Wem der Junge eines stellt, muss wohl überlegt sein, denn damit ist eine Menge Arbeit für ihn verbunden. Ein „Maierle“ wird in der Regel nur dem Mädchen gestellt, an dem der Junge ernstes Interesse hegt bzw. dem Mädchen, mit dem er eine Beziehung führt. Bei dem Baum handelt es sich wie bei dem traditionellen Maibaum um eine Birke. Es muss aber nicht eine ausgewachsene Birke sein, sondern auch ein paar Zweige oder eine junge Birke werden gerne genommen. Aber insgeheim gilt trotzdem: Je größer, desto besser. Zudem ist der belaubte Wipfel der Bäume wichtig, der ebenfalls Symbol für den Frühling bzw. die damit verbunden Frühlingsgefühle ist.
Die jungen Burschen gehen das Unterfangen „Maierle-Stellen“ meistens nicht alleine an, sondern schließen sich mit ihrem besten Freund zusammen, denn zu zweit fällt die Arbeit nicht ganz so schwer. Zunächst muss eine geeignete Birke gefunden werden. Da dies nicht immer so leicht ist, wird auch gerne auf fremde Birken zurückgegriffen, die des Nachts heimlich, z.B. vom Straßenrand, stibitzt werden.
Das Schmücken
Ist der geeignete Baum für die Auserwählte gefunden, gefällt und mit nach Hause genommen worden, geht es an das Schmücken. Hier sind zwei Dinge zu beachten: Zunächst wird der Wipfel der Birken mit bunten Bändern geschmückt. Aber woher bekommen die jungen Burschen solche Bänder? Viele fragen z.B. in Schneidereien nach Stoffresten. Das ist eine kostengünstige Möglichkeit an farbenfrohe Bänder heranzukommen und zudem sind Baumwollstoffe wetterresistenter als buntes Krepppapier. Hier gilt: Je bunter die Bänder, desto verliebter ist der Bursche in das junge Mädchen und desto aufrichtiger sein Interesse an ihr. Die Bänder werden dann an die einzelnen Zweige des Baumwipfels geknotet.Eine zweite Komponente beim „Maierle“ darf auf keinen Fall vergessen werden: Die Tafel, auf dem der Junge sein Interesse/seine Zuneigung für das Mädchen bekundet. Hier sind den Burschen keine Grenzen gesetzt und sie können ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die Tafel kann aus allen möglichen Materialien sein, aber am beliebtesten ist Holz. Oft fertigen die Jungen alles von Hand an und sägen ein Herz aus einem Stück Holz, das dann reich mit Farbe verziert wird.
Besonders wichtig ist der Spruch, der die Tafel zieren soll. Das bereitet den jungen Burschen oft Kopfzerbrechen. Ein Spruch, eine Liebeserklärung oder doch eine Lobeshymne an das auserwählte Mädchen? Die Tafeln sind sehr individuell gestalten und auch hier gibt es keine konkreten Vorschriften- erlaubt ist, was gefällt.
Am Ende wird die fertige Tafel noch an der Birke befestigt und nun kann die Nacht vom 30.04. auf den 01.05. kommen.
Der Transport und das Aufstellen
Gerade bei sehr großen Birken ist der Transport schwierig. Handelt es sich dazu noch um sehr junge Burschen, die noch keinen Führerschein haben, stehen sie vor einem schier unlösbaren Problem. Wer in der Mainacht selber schon einmal auf Schwabens Straßen unterwegs war, den dürfte der Anblick von zwei Jungen auf Fahrrädern, die einen riesiges „Maierle“ transportieren nicht mehr verwundern. Der eine hält den Stamm, der andere den Wipfel- nur gut, dass einem da der beste Freund hilfreich zur Seite steht. Für die Liebste überwinden sie auch dieses Hindernis. Wer dagegen schon einen Führerschein und einen Anhänger, etc. hat, dem fällt der Transport natürlich wesentlich leichter.
Der Ort, an dem das „Maierle“ aufgestellt wird, muss wohl überlegt sein. Zum einen muss er für das Mädchen am nächsten Morgen gut sichtbar sein, zugleich aber auch einen sicheren Stand garantieren. Zum anderen muss er auch für die Nachbarn und Passanten sichtbar sein, denn das „Maierle“ gilt in den Dörfern als Symbol, dass das Mädchen begehrt und vergeben ist. Nicht selten kommt es vor, dass vor einem Haus gleich mehrere „Maierle“ zu sehen sind, ein Zeichen dafür, dass das Mädchen des Hauses bei den jungen Burschen äußerst beliebt ist. Wenn zwei Jungen um die Gunst eines Mädchens buhlen, herrscht schon einmal ein Konkurrenzkampf darum, wer ihr den schönsten, größten und buntesten Baum stellt.
D.h. also ob Garten, neben dem Balkon oder im Hof: Hauptsache das „Maierle“ ist für alle gut sichtbar.
Das Bewachen
Ähnlich wie beim traditionellen „Maibaum“ muss auch das „Maierle“ vor Dieben beschützt werden. Aber im Gegensatz dazu, kann das „Maierle“ nicht wieder ausgelöst werden, d.h. einmal gestohlen, sieht man es so schnell nicht wieder. Der Grund dafür sind findige andere junge Burschen, die ihrer Auserwählten zwar auch eine solche Birke stellen möchten, sich aber um die ganze Vorbereitungsarbeit drücken wollen. Mittlerweile ist ein regelrechter Sport unter den Jugendlichen daraus geworden im Nachbardorf „Maierle“ zu stehlen und sie dann seinem „eigenen Mädchen“ zu stellen. Da hilft nur eines: Die Birke wird bis zum nächsten Morgen bewacht. Denn nach dem 01. Mai darf der Baum nicht mehr gestohlen werden.
Verbunden mit dem „Maierle-Stellen“ ist es in Schwaben bei vielen der Brauch, dass das Mädchen den Burschen, die die ganzen Anstrengungen hinter sich gebracht und sich die Nacht um die Ohren geschlagen haben, diese am nächsten Morgen mit einem deftigen bayrischen Weißwurst-Frühstück zu belohnen.
Ende gut, alles gut...
Haben die Burschen gut aufgepasst, dann darf das „Maierle“ bis Juni den Garten bzw. den Hof des auserwählten Mädchens zieren. Danach wird es traditioneller Weise abgebaut.
Aber Vorsicht: Man sagt, dass nach dem dritten „Maierle“ hintereinander vom gleichen Burschen geheiratet wird…
Gewährsperson
Studentin
Literatur
- Bichler, Albert: Wie’s in Bayern der Brauch ist. München 2003.
- Der Maibaum. Dachau, Verlagsanst. Bayerland 1991.
- Schuberth, Ottmar: Maibäume. Peißenberg, Königseder 1995.
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Diese Seite wurde zuletzt am 19. November 2011 um 10:08 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 5.135-mal abgerufen (to Cache).
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