Gibt es in Franken typisch den Maibaum?? gestellt am 9.3.10 07:49
Ja, auch in Franken ist der Maibaum verbreitet. Im Vergleich zu Maibäumen in Altbayern sind dabei regionale Varianten zu beobachten. So sind manche Bäume anstatt weiß-blau in den fränkischen Wappenfarben Rot und Weiß gestrichen, anstatt Fichten werden auch Birken verwendet, anstatt Figuren werden auch Bänder angebracht. Außerdem wird er gewöhnlich bereits am 30. April und nicht erst am 1. Mai aufgestellt.
(gestellt am 10.3.10 17:17)
Wie lange kann man eigentlich ein gutes neues Jahr wünschen?
gestellt am 11.1.10 09:16
Dafür gibt es keine verbindlichen Richtlinien. In Bayern und Baden-Württemberg, wo Dreikönig ein Feiertag ist, trifft man Arbeitskollegen oft erst am 7. Januar oder - wie in diesem Jahr - erst am 11. Januar wieder. Dann ist es sicherlich noch angemessen, einander bis Mitte Januar Neujahrsglückwünsche auszusprechen. Das ist aber eher eine Frage des höflichen Umgangs miteinander und der Nähe der persönlichen Bekanntschaft, als dass es sich hier um eine durch Brauch festgelegte Norm handeln würde. Für andere Regionen sind Neujahrswünsche übrigens sogar bis zum Agnestag am 21. Januar (Köln) und bis Ende Januar (Niederlande) belegt. (gestellt am 1.2.10 14:51)
Woher kommt denn der Brauch der Hochzeitsreise? Ich habe gelesen, dass er mit der Eisenbahn aufgekommen ist - klingt plausibel, aber stimmt das auch? gestellt am 9.1.10 19:24
Der Brauch der Hochzeitsreise hat sich im Laufe des 19. Jahrhundets vornehmlich im Bürgertum verbreitet. Die Eisenbahn hat das Reisen zwar erheblich erleichtert und damit befördert, doch wurden auch schon zuvor die Flitterwochen in der Ferne verbracht. Ein Beispiel hierfür ist das berühmte Gemälde "Die Hochzeitsreise" von Moritz von Schwind,in dem der Maler sich selbst und seine Frau in den 1840er Jahren in einer Postkutsche zeigt. (gestellt am 1.2.10 14:34)
Warum sagt man beim Kegeln: "Kegelscheib`n" gestellt am 11.12.09 15:04
Kurz: weil das bairisch ist. Zur Erklärung schlagen wir doch mal nach im "Deutschen Wörterbuch", das Jacob und Wilhelm Grimm von 1838 an zusammengestellt haben. Es gewährt uns einen Blick auf die früher üblichen Worte und ihre Bedeutung. Die Grimms führen "kegelscheiben" als bairischen Ausdruck für "kegeln" oder "kegelschieben" an. Das haben sie so aus dem einige Jahre vorher gedruckten "Bayerischen Wörterbuch" des Johann Andreas Schmeller übernommen. Von dem Spiel "Kegelschieben", bei dem die Kugeln auf ihr Ziel zu rollen, unterschieden die Grimms das "Kegelschlagen", bei dem man nach den Kegeln warf. Weiter erklärten sie, dass das Verb "scheiben" vor ihrer Zeit speziell für die sich wälzende, rollende Fortbewegung von kugelförmigen oder sich um die eigene Achse drehenden Gegenständen verwendet wurde.
Wenn also heute jemand „kegelscheib'n“ sagt, verwendet er einen alten, sehr genauen und treffenden Ausdruck. Und der war im 19. Jahrhundert speziell im Bairischen der übliche Ausdruck fürs Kegeln. Der Sprachraum mit bairischem Dialekt hat freilich nicht die Grenzen des Bundeslandes Bayern. Er erstreckt sich vielmehr von Altbayern über Österreich bis nach Südtirol.
(gestellt am 28.12.09 20:06)
Hallo Dr. Brauch,
wie lange steht ein Christbaum? In der Regel vom 24.12. bis 6.1. im neuen Jahr. Meine Oma (98 Jahre) hat diesen bis Mitte Februar - sie sagt, altes Brauchtum. Wissen Sie was meine Oma meint? Vielen Dank. Gruss, Alexandra gestellt am 3.12.09 00:46
Wer Weihnachtsschmuck, -bäume und -krippen erst am 2. Februar wegräumt,
der orientiert sich am Kirchenjahr. Das ist in drei große Festkreise eingeteilt: Weihnachtskreis, Osterkreis, Pfingstkreis. Heute erstreckt sich der Weihnachtskreis vom 1. Adventssonntag (= Beginn des
Kirchenjahres) bis Dreikönig (Epiphanie/Erscheinung des Herrn am 6.1.), früher rechnete man die Zeit bis Lichtmess (2.2.) liturgisch zum
Weihnachtskreis.
Vielleicht stammt die Großmutter aus dem Erzgebirge. Dort feiert man
Weihnachten besonders intensiv, und es ist bis heute üblich, die
Weihnachtsdekoration bis zum Tag nach Lichtmess stehen zu lassen. (gestellt am 3.12.09 17:45)
Ich habe einmal von einem Brauch gehört, bei dem man einem Paar am Anfang des 7. Beziehungsjahres einen hässlichen Baum vor die Türe stellt. Können sie mir genaueres dazu sagen? gestellt am 15.11.09 13:39
Das ist mir wirklich noch nicht untergekommen! Die Lexika schweigen sich zu diesem Thema aus, die Brauchspezialisten antworten ebenfalls mit "Nein. Wir wissen dazu nichts Genaueres!"
Aber das könnte ja noch schöne Blüten treiben. Es gab da doch in jüngster Vergangenheit Diskussionen um den Politikerinnen-Vorschlag, Ehen sollten nur sieben Jahre gültig sein und müssten dann verlängert werden... (gestellt am 23.11.09 13:05)
Mein Mann kommt aus Mittelfranken aus der Gegend von Gunzenhausen. Dort wird nicht das Nikolausfest gefeiert, sondern das Nußmärtel oder so. Der Tag ist um Maritini. Die Kinder bekommen an diesem Tag kleine Geschenke bzw. Nüsse etc. Mein Mann konnte mir über diesen evangelischen Brauch nichts genaues sagen. Vielleicht wissen Sie etwas? gestellt am 13.10.09 14:59
Der Pelzmärtel ist wie das Christkind eine Brauchfigur, die in der
Reformation entwickelt worden ist. Da Martin Luther der
Heiligenverehrung ablehnend gegenüberstand, den protestantischen Kindern
aber dennoch Geschenke nicht versagen wollte, führte er "den heiligen
Christ" ein als Ersatz-Geschenkebringer für den hl. Nikolaus oder den
hl. Martin (von ihm leitet sich auch der Begriff "Märtel" ab). (gestellt am 13.10.09 18:54)
gibt es in Bayern einen Brauch für einen der 30 Jahre alt wird und noch nicht verheiratet ist? gestellt am 5.10.09 19:18
Ja, ja - „Hagestolz“ und „Alte Jungfer“ sind von Alters her ein interessantes Thema für die lieben Freunde und Verwandten. Längere Zeit überlieferte Bräuche, die das Ledig-Sein im Zusammenhang mit einem bestimmten Geburtstag betreffen, kennen wir aus Bayern jedoch nicht.
Aus Norddeutschland sind dazu hingegen Klinken-Putzen, Treppe-Fegen, Schachtel-Fest und Alte-Socke-Fest bekannt. In Bremen muss der Ledige die Domtreppe fegen, in Norderstedt ist es der Rathausplatz. Zum Klinken-Putzen, das ebenfalls in aller Öffentlichkeit statt haben muss, rücken die lieben Freunde mit einer extra Ausrüstung an. Etwa mit einem transportablen Brett, auf das mehrere Klinken geschraubt sind. Und die haben sie dann kräftig mit etwas angetrocknetem Klebrigen (Ei, Senf etc.) beschmiert. Diese recht jungen Gepflogenheiten verbreiten sich seit dem Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend. Wir haben aber bislang nur gehört, dass das Alte-Schachtel-Fest inzwischen auch in Bayern angekommen ist. Außerdem ist da ein „Hungerbaum“ aufgetaucht. Lesen Sie dazu weiter unten die Frage vom 31.5.2009. Zum „Schachtelfest“ gibt es auch schon einen ersten, sehr allgemeinen Artikel im brauchwiki. (gestellt am 2.11.09 11:05)
Kann man die JUNGGESELLENABSCHIEDE auch als Brauch bezeichnen?
In Bamberg haben wir pro Wochenende ca 6 Junggesellenabschiede von Gruppen, die von weither kommen.
Sie haben feste Rituale und laufen anscheinend nach einem vorgegebenen Muster ab.
gestellt am 5.9.09 08:50
Junggesellen- und Junggesellinnenabschiede sind Teil der so genannten
"rites de passage", die den Übergang zu einem neuen Lebensabschnitt
begleiten. Dass Braut und Bräutigam vor der Eheschließung noch einmal
getrennt nach Geschlechtern in ihrem je eigenen Freundeskreis
ausgelassen feiern, ist eine aus dem Angelsächsischen kommende
Tradition. Dort werden diese Abende "Stag Night" oder "Hen Night"
genannt. Sie waren ursprünglich Männern vorbehalten, fanden im
Elternhaus des Bräutigams statt und dienten vordergründig der Aufklärung
über die ehelichen Pflichten. Inzwischen haben sich diese Feiern zu
Kneipentouren entwickelt, in denen Gruppen junger Männer in
einheitlicher Kleidung vornehmlich freitags oder samstags durch die
Innenstädte ziehen. Diese Art, den Abschied vom Ledigendasein zu
begehen, hat mittlerweile auch in Deutschland Einzug gehalten, oft zum
Ärger der betroffenen Anwohner, die sich durch das Grölen der zu
vorgerückter Stunde Betrunkenen belästigt fühlen. Wir haben es hier mit
dem Phänomen des Hypertrophierens zu tun. Der Brauch wurde "in seinen
Formen gesteigert" (Josef Dünninger). Ähnliches ist beim Polterabend zu
beobachten: Während es früher genügte, zum Zeichen des Glücks ein Glas
zu zerbrechen, kippt man Brautpaaren heute oft ganze Lkw-Ladungen
voller Scherben vor die Türe. Junge Frauen begehen die "Stag night"
mehrheitlich noch zurückgezogen. Sie treffen sich bei der Braut,
verwöhnen sich gegenseitig mit Pediküre, Maniküre oder
Gesichtsbehandlungen, trinken Champagner und verzehren kleine Häppchen.
Beliebt sind in Schokolade getauchte Obststücke. (gestellt am 14.9.09 12:10)
Servus beinand,
ich bin in Karlstein (jetzt Ortsteil von Bad Reichenhall) aufgewachsen. Ich glaube, es war am 1.Mai, da wurde die Altweibermühle (Oidweibamuhi) ausgestellt. Ober stiegen als alte Weiber verkleidete Burschen hinein - dann flogen Heu, Stroh und Lumpen heraus und schließlich kam über eine Rutsche unten ein sauberes junges Madl raus. Mich würde interessier ob`s diesen Brauch auch woanders gab oder vielleicht noch gibt und woher der Brauch stammt.
Herzliche Grüße aus München
Dieter Stiening gestellt am 3.9.09 11:53
Die Vorstellung von einer Mühle, in der alte Frauen verjüngt werden, ist ebenso wie das verwandte Motiv des Jungbrunnes in Bildern, Märchen, Schwänken und Volksschauspielen überliefert. Der früheste Beleg für eine Altweibermühle findet sich in einem westpreußischen Fasnachtsspiel aus dem Jahr 1440. Große Verbreitung fand das Thema etwa ab 1600 durch die populäre Druckgraphik. Mancherorts gibt es Altweibermühlen noch heute als (Fasnachts-)Brauch. Bekannt ist aber vor allem die Altweibermühle von Tripsdrill, mit der 1929 dieser älteste Freizeitpark Deutschlands eröffnet wurde. (gestellt am 8.9.09 11:05)